Der Sturz der Engel – Eine Kurzgeschichte zum Erfolgsspiel Diablo© II

geschrieben ca. 2005.

Der Sturz der Engel

Bitterkalt war es am Fuße des Berges. Der Veteran, der wohl schon so einige kalte Tage erlebte, war durch und durch von der Kälte eingenommen. Wie lange er hier, inmitten des Nirgendwo, schon lag, kann er nicht mehr nachvollziehen. Zu schwammig ist seine Erinnerung im Bezug auf seine just erlebten Ereignisse. Er weiß wohl, dass er eine schwere Aufgabe hinter sich gebracht hat, und er weiß ebenso, dass diese ihm auch nie mehr aus dem Gedächtnis zu verbannen ist. Eine Reminiszenz ergreift von seinem Geist besitz:
Muss es schaffen… Noch ein paar Hiebe… Ich kann es schaffen… Nicht der Keil aus Eis… Nein! Nein! Ich bin stärker, ich bin zäher, ich bin mächtiger als Du… Baal! Jetzt erinnert er sich wieder. Das letzte was er sah, bevor er mit dem Engel Tyrael sprach und dann durch das Portal schritt, war der Fall des mächtigen Dämons Baal. Er hatte ihn besiegt, er kann es kaum fassen. Noch vor wenigen Monden, als sein Stammesvater ihn bat für den Clan der weißen Schakale in den Krieg gegen die Dämonenhorden zu ziehen, waren Dämonen, Engel und Magie etwas, dass er nur aus den Erzählungen seiner Stammesältesten kannte. Und nun hatte er, der ewige Zweifler, das Erzböse selbst besiegt. Baal, der Mächtigste des Dämonen-Triumvirats, fiel durch sein Schwert, geführt von einem Sterblichen.
Doch nun genug in glorreichen Erinnerungen geschwelgt, dachte sich Wulf. Die Realität der rauen Umgebung, die selbst einem Barbaren, wie er es war zu schaffen machte, riss ihn jäh aus seinem Gedankenfluss. Er wusste, fände er nicht schnell trockene Kleidung, würde ihn alsbald eine aus der Kälte resultierende Müdigkeit übermannen, aus der er mit Sicherheit nicht mehr erwache.
Es war mindestens fünfzehn Grad kälter geworden hier am Fuße des Arreats. Er erinnerte sich noch an die Tage, an denen er hier entlang kam und Seite an Seite mit seiner treuen Gefährtin Shiitora gegen Horden von Bestien kämpfte. Der Gedanke an die wackere Zauberin rief ihm wieder Ihren entsetzlichen Tod ins Gedächtnis. Nilhatak, dachte er, dieser elendige Verräter. Die einzigste Genugtuung die er hatte war die Gewissheit, dass auch dieser durch den wirbelnden Einsatz seiner zwei hellleuchtenden, kristallklaren und extrem scharfen Schwerter nie mehr auch nur einer guten Seele etwas anhaben kann. Wieder riss ihn die Realität, die er mit einem müden Auge zu beobachten schien, aus seinen Reminiszenzen. Ein Licht, nicht allzu weit entfernt, erregte die Aufmerksamkeit des durchnässten und halberfrorenen Barbaren. Kann dies schon Harrogath sein, fragte sich Wulf. Es müsste nach seinen Berechnungen noch mindestens zwei Tagesmärsche entfernt sein. Nein, dachte er sich, Harrogath kann das nicht sein. Aber was dann? Sein Schritt wurde schneller. Nach den umliegenden Bergen zu urteilen, war er noch gute fünfzehn Minuten schnellen Fußmarsches von den zwei Lichtpunkten entfernt, jedoch war das Licht so erstaunlich und unnatürlich hell, dass es ihm wesentlich näher vorkam. Der gute Instinkt des Barbaren machte sich bemerkbar, dieser sagte ihm, dass hier etwas ganz und gar nicht Natürliches im Gange war. Wenn ihm die letzten Monate auch nur eines aufgezeigt haben, dann ganz Gewiss eines: Es gibt wesentlich mehr Dinge auf dieser Welt, als es der normale Verstand eines Sterblichen für möglich halten könnte.
Sein Barbareninstinkt war nun völlig erwacht. Die Müdigkeit wurde auf Grund einer erheblichen Menge Adrenalin, die gerade durch seinen kräftigen Körper gepumpt werden, komplett ignoriert. Er wusste, dass hier etwas Magisches am Gange war, soviel Gespür hatte er durch die langen Gespräche mit Shiitora mittlerweile entwickeln können. Er wusste aber nicht, ob es gut oder böse gesinnt war. Genau dies war auch der Grund für ihn, mit äußerster Vorsicht vorzugehen, und den zwei Lichtern, die sich bewegten wie er mittlerweile erkennen konnte, nur vorbereitet zu nähern. Ein lauter Schrei entrang seiner Kehle und noch einer und ein weiterer. Der Schnee um ihn herum wurde auf Grund der Druckwelle dieses enorm lauten Schreies in Bewegung gebracht. Obwohl es nicht schneite, machte es nun den Anschein, da sich der hochgewirbelte Schnee wieder langsam auf den kalten Steinboden fallen ließ. Wulf verspürte ein Gefühl, dass er immer mit Freuden genoss, wenn er seine Kriegsschreie verhallen ließ. Er fühlte sich vitaler, geschickter und zäher als noch vor wenigen Sekunden. Er fühlte, wie sich seine Haut verhärtete, wie in seinen Adern weitaus mehr Kapazität an Lebenskraft vorhanden war, als eigentlich möglich sei. Aufgrund seiner zwei Ringe und des Amuletts, die er sich nun überstreifte, bemerkte er auch, wie diese Kapazitäten sich langsam, aber weitaus schneller als normal füllten. Erst als er sich im vollen Besitz seiner Kräfte sah, streifte er die Ringe von seinen Händen und auch das Amulett, und ersetzte diese wieder durch jene, die er vorher trug. Beim Überstreifen der beiden Ringe fühlte er just auch deren Macht, die ihn, wie auch einer seiner Schreie, weitaus geschickter sein ließen. Das Merkwürde dabei war, dass man diesen Ringen mitnichten deren Macht ansah. Sie waren aus schlichtem Gold ohne die kleinste Verzierung. Sie sahen einfachen Trauringen nicht unähnlich. Genauso erging es ihm mit dem Amulett, auch dieses verlieh ihm mehr Kunst ihm Umgang mit seinen Waffen und auch mehr Kraft beim Ausstoßen seiner Kampfbefehle. Allerdings war dieses Amulett alles andere als schlicht. Man sah ihm an, dass es wohl sicherlich vor vielen Jahrhunderten für einen reichen Kaufmann oder hohen Fürsten gefertigt wurde.
Sein Atem stockte. Er war so mit dem Überstreifen seines Schmuckes beschäftigt, dass er gar nicht bemerkte wie nah er schon den beiden Lichtern gekommen war. Was sich vor seinen Augen, die er nur halb offen halten konnte da ihn das helle Licht sehr blendete, bot, übertraf wohl so einiges, was er in den letzten Monaten zu sehen bekam. Die Lichter, die er aus der Ferne sah, waren keine Feuer oder andere von Menschenhand erzeugte Lichtquellen. Die Ursachen für die beiden Lichter waren zwei Figuren von nahezu menschlicher Gestalt… nahezu! Aus den Rücken dieser beiden Figuren wuchsen zwei riesige, unglaublich schön auszuschauende membranartige Flügel. In diesen Flügeln spiegelten sich Myriaden von Lichtern, die von den Körpern der beiden Wesen auszugehen schienen. Diese beiden Engel, soviel war dem Barbaren nun klar, standen sich gegenüber. Die tödliche Spannung, die in der Luft lag, war förmlich zu riechen. Ein unglaublicher Hass war hier vorhanden. Dies war allerdings nicht nur metaphorisch gemeint, nein, der Hass der von diesen Gestalten ausging war manifestiert. Er manifestierte sich, sobald man ihn die Nähe des Lichtes trat, welches von den beiden geflügelten Körpern ausstrahlte. Dieser Hass war für jeden Sterblichen nicht nur geistig, sondern auch körperlich fühlbar. Wulf erging es hier nicht anders. Nur sein unmenschliches Stamina hielt ihn davon ab, vor Schmerzen zu Boden zu gehen. Der Barbar trat ein paar Schritte zurück. Erst als ihn keine der Auren der beiden Engel bestrahlten, gingen die Schmerzen zurück. Als sich der Barbar wieder fing, wurde ihm noch ein unfassbareres Spektakel geboten. Mit unglaublicher Agilität aber auch Härte warteten die beiden Engel ihre Waffen einander auf. Mit jeder Parade, die einer vollführte, was ein aufeinanderprallen der Waffen zufolge hatte, erklang ein ohrenbetäubendes Krachen und tausende Funken stoben aus der Prallfläche hervor. Der linke Engel, der ein mächtiges Katana zweihändig führte, war der Kampferfahrenere, dies war für den Blick eines Veteranen wie Wulf einer war sofort erkennbar. Er verhielt sich verdächtig defensiv und parierte jeden Angriff des rechten Engels mit gekonnter Bravour und scheinbarer Leichtigkeit. Was ebenfalls auffiel war, dass die Engel verschieden farbige Auren erzeugten. Die Aura des Engels mit dem Katana war mit einem leichten Goldschimmer versehen, die des rechten Engels war von leicht schwarzen Schlieren durchlaufen. Dies war erst jetzt erkennbar, als die beiden sich im Kampfe vereinigt hatten. Und von Vereinigung kann man hier durch aus sprechen. Der Kampfstil der Himmelsdiener war kaum zu unterscheiden, deswegen schien es beinahe so, als vorführten sie einen lange einstudierten Schaukampf. Auch wenn der Rechte, der mit einer von kleinen Blitzen umwobenen riesigen Sense bewaffnet war, ein wenig ungeschickter agierte, relativ zu seinem Counterpart zumindest; so hatte es schwer den Anschein, dass beide vom gleichen Lehrmeister unterrichtet wurden. Wulf leuchtete dieser Gedankengang ein, schließlich handelte es sich bei den beiden Kämpfern um Engel und diese wurden wohl auch von einem solchen unterwiesen. Ihm war allerdings unbegreiflich, warum sie mit einem solchen Hass aufeinander losgingen.
Der Katana schwingende Seraph parierte wieder gekonnt, zwei extrem schnell vollführte Manöver seines Gegners. Als hätte er auf eine solche Attacke gewartet wechselte er nun zur Offensive. Blitzschnell und mit unglaublicher Präzision führte er mindestens vier bis fünf Hiebe, die seinen Duellanten wohl so sehr überraschten, dass dieser einen Ausweichschritt machen musste. Dies hatte jedoch zum Nachteil, dass seinen Flanke für einen Augenblick ungedeckt blieb… Ein unglaublicher Schrei hallte durch das raue, schneeverwehte Eishochland. Ein Schrei den, wenn es die Götter noch gab, selbst diese hören mussten. Der Barbar war für einen Augenblick betäubt. Das Echo des Schreis war noch immer zu hören, oder zumindest in seinem Kopf so hatte es den Anschein. Als er sich wieder raffte, war ihm klar was geschehen war. Es ging alles so unglaublich schnell, dass es ihm gar nicht sofort bewusst war. Der goldschimmernde Engel zog sein rotleuchtendes Schwert aus der Seite des nun am Boden knienden Engels. Dieser war wohl im Begriff etwas sagen zu wollen, denn er öffnete seinen Mund und deutete an, dass der Sieger näher kommen solle.
Dieser aber ließ sich nicht darauf ein. Er kniete vor dem Verwundeten und sprach in einer Sprache, die dem Barbar gänzlich unbekannt war, aber es klang für ihn wie ein Gebet. Was nun passierte, verwirrte den Krieger noch mehr als es bis dato eh schon tat. Nachdem der unverletzte Engel sein Gebet beendete, erhob er sich und ließ seine Klinge in die Scheide gleiten. Anschließend baute er sich in fordernder Körperhaltung vor dem im sterben liegenden auf und sprach mit klarer, aber sehr strenger Stimme: “Mundrasil. Du bist besiegt. Und wie Dir, wird es auch all den anderen Verrätern ergehen, die es wagten gegen den Himmel zu revoltieren. All jenen, die sich vom Himmel abwandten um H’largh Turasil’s finsteren Ideen zu folgen. Deine sterbliche Hülle mag nun ruhen, aber für Dein Vermächtnis besteht noch Hoffnung, dass es wieder reingewaschen werden kann. Auch wenn Du nicht im Besitze einer Seele bist, so wird auch von Dir nach Deiner physischen Zerstörung eine Erinnerung bleiben. Willst Du, dass diese auf ewig mit der Schmach des Verrats beschmutzt ist? Wenn nein, dann sage mit Deiner letzten Lebenskraft von Deinen Fehlern ab und reihe Dich wenigstens nach Deinem Tod in die Ränge des Guten wieder ein!”
“Niemals…” war alles was Mundrasil noch aussprechen konnte, bevor sein Körper in sich zusammen sackte.
Ein von bitterer, und tiefster Traurigkeit erfülltes “Nein” erfüllte die Nacht. Der Sieger fiel auf die Knie und verdeckte seine Augen mit seinen Händen. Wulf stand einfach nur fassungslos da. Was meinte er mit Revolution und wer war H’largh Turasil ? Er hatte diesen Namen noch nie gehört. Der einzigste, der ihm darauf Antworten geben konnte, war dieser kniende Seraph. Vorsichtig näherte er sich ihm. “Herr”, sprach er vorsichtig, so vorsichtig ein Barbar es eben sagen konnte, “Entschuldigt, dass ich Euch in Eurer Trauer störe, aber was geht hier vor? Hat das etwas mit Tyrael zu tun?” Als der Name des Erzengels fiel, drehte der Himmelsdiener sein Haupt. Ein durchdringender Blick traf den Kämpfer, er hatte das Gefühl, als könne der Engel geradewegs in seine Seele blicken. “Wulf, Sohn des Teckel” ,sprach er, “Hört mich an” Während er die Worte verlauten ließ, richtete er sich auf. Er stand in voller und glorreicher Größe vor dem Barbaren. Seine Flügel entfalteten sich, und bewegten sich nun leicht im Wind des Eishochlandes. Voller Ehrfurcht lauschte Wulf den Worten, die wie Musik aus einem fremden und exotischen Land klang: “Mein Name ist Morgael. Ich bin einer der letzten Engel des Guten. Schreckliche Dinge geschahen, seit Du die Herren der Hölle vernichtet hast. Was ich Dir nun schildern werde, tue ich aus gutem Grunde. Du warst es, der die Welt vom Übel befreitest und somit bist Du ein Mitverantwortlicher der nun eingetretenen Ereignisse, die sich im Himmel auftaten.” Mitverantwortlich, dieser Gedanke gefiel Wulf ganz und gar nicht. Er ging hinaus um Gutes zu tun, er nahm all die Pein und Qual der letzten Monate nur aus diesem Grund auf sich, und nun soll dies Tat für das was gerade geschah, der Auslöser gewesen sein. Doch bevor der diesen Gedanken weiterspinnen konnte, unterbrach ihn Morgael, als hätte er seine Gedanken gelesen. “Seit Euch keiner Schuld bewusst, edler Recke, niemand konnte diese Folgen vorhersehen. Ihr habt nur das getan, was jeder mutige und unerschrockene Held getan hätte. Doch nun lauscht, was sich begab. Wie Ihr vielleicht wisst, gab es immer ein Gleichgewicht der Kräfte. Das Gute wog das Böse auf, und vice versa. Des weiteren wirst Du vielleicht wissen, dass Nekromanten wie auch Druiden nach diesem Prinzip des Gleichgewichts leben, es ist sozusagen Inhalt Ihrer Philosophie. Durch die vollständige Zerstörung der drei höchsten Erzdämonen und der Reinigung Ihrer Diener auf Erden, wurde dieses Gleichgewicht bis ins Mark erschüttert. Doch trotz dieser extremen Verlagerung, war den Druiden und Nekromanten bewusst, dass wenn die Vernichtung nicht geschehen wäre, es nun vermutlicherweise gar kein Leben mehr im Himmel wie auf Erden gebe, dass es ob dieses Gleichgewichts zu schützen gälte, und somit fügten sie sich diesem Fakt. Bis auf einen, H’largh Turasil. Ein sehr alter und sehr mächtiger Nekromant, von dessen Kunst selbst die Vizjerei mit Ehrfurcht sprechen. Der Name H’largh Turasil taucht selbst in den Aufzeichnung von Horazon, dem mächtigen Bruder Bartucs, von dem Ihr zweifelsfrei schon gehört habt, auf. Dieser Nekromant, ist besessen vom Gleichgewichts- prinzip. Nun, wie dem auch sei. Wir wissen nicht wie er es vollbrachte, jedenfalls hat er es geschafft, mehr als die Hälfte von uns zum Bösen zu konvertieren. Jene, die von diesem Fluch, so will ich es mal nennen, befallen wurden, änderten nicht nur Ihr Aussehen sondern veränderten ihren gesamten Charakter. Dann brach der Krieg los. Tausende dieser gefallenen Engel rotteten sich zusammen um eine Schlacht zu entfachen, die der Himmel noch nie gesehen hatte. Doch der Himmel ist diesen Verfluchten nicht genug, sie wollen nun auch auf Erden morden und töten. Wie Du hörst, edler Barbar, der Kampf, den Du begannst, ist noch nicht vorüber… er steuert geradewegs erst auf seinen Höhepunkt zu. Die Erzdämonen, mögen vernichtet sein, doch nun bedroht ein weiteres Übel die Welt: H’largh Turasil. Wenn dieser nicht aufgehalten wird, wird alles wofür Du gekämpft hast, alles was Du geopfert hast, umsonst gewesen sein.” Der Barbar, der die ganze Zeit über den Worten des Engel lauschte, war völlig fassungslos, nein, nicht nur fassungslos, er war niedergeschlagen. Wie war das nur möglich, das Böse war doch besiegt, er hatte es mit eigenen Augen fallen sehn, und nun…war alles umsonst? Er war müde, er war ausgelaugt. Die ganzen Strapazen der letzten Monate, schienen nun wie auf einen Schlag auf ihn nieder zu gehen. Er war nicht mehr in der Lage, es ein zweites Mal mit Horden von Dämonen aufzunehmen, auch wenn es sich diesmal um infernale Engel handelte, was die Sache nicht gerade aussichtsreicher gestaltete. Er wollte einfach nur schlafen, schlafen und alles um ihn herum vergessen. “Verzweifelt nicht, Held von Harrogath, Du wirst nicht alleine in diese Schlacht ziehen. Es stehen noch Herscharen von güldenen Engeln in Kampfbereitschaft. Auch wir sind nicht unvorbereitet. Auch wenn just schon viele Schlachten im Gange sind, und die schwarzen Engel den Eindruck gewinnen könnten, sie hätten bereits den Sieg zum Greifen nahe, so ist es doch so, dass wir nur überrascht wurden. Wir werden nun den Himmel verlassen um gegen die Horden des H’largh Turasil anzutreten, so wie es vielerorts schon geschieht. Auch wenn Lut Gholein bereits fiel und Kingsport schwer umkämpft ist, so hab ich Hoffnung, dass das Gute dieser Welt sich wehren wird.” “Lut Gholein fiel”, brach es aus Wulf hervor. Er erinnerte sich noch gut an die Wüstenstadt. Er verbrachte dort einige Tage mit Shiitora bevor er mit Ihr Duriel niederrang. Wenn selbst die gut befestigte und mächtige Wüstenstadt Lut Gholein fiel, wie sollte er dann auch nur das geringste gegen diese Horden unternehmen. “Wie ich schon erwähnte”, fuhr Morgael fort, “Wir werden an Eurer Seite kämpfen. Wie werden Euch ausrüsten, ausrüsten mit Waffen und Rüstungen die bisher nur den Himmelswesen vorbehalten waren, Eure Magier werden in göttlicher Magier unterrichtet, Magie und Macht, von denen Eure Vizjerei nur zu träumen wagten. Unsere besten Kämpfer werden Euch in die Kampfweise des Elysiums einweisen und tausende von Nephilim werden Euch ebenfalls im Kampfe als Söldner beiseite stehen. Eure Aufgabe wird es nun sein, H’largh Turasil ausfindig zumachen und die Welt von Ihm zu befreien. Den einzigsten Hinweis den wir über seinen Aufenthaltsort haben, erfuhren wir aus den Schriften Horazons. Dort steht geschrieben, dass Horazon den Nekromanten bei einer seiner vielen Reisen besuchte. Der Vizjerei beschrieb einen alten Tempel an der Quelle des Flusses Argentek unterhalb von Scosglen. Das Gebiet müsste Euch ja mehr als bekannt sein von Eurem Kampf mit Mephisto. Doch bevor Ihr loszieht, begleitet mich ins Elysium. Dort werdet Ihr Erfrischung finden, und wir werden Euch mit Ausrüstung und Proviant versorgen. Andere Recken haben sich dort auch schon versammelt, auf dass die Chance auf einen Erfolg gemehrt werden kann. Auch könnt Ihr Euch dort von den Fähigkeiten der Nephilim als Söldner einen Eindruck verschaffen und auch sogleich einen für Euch gewinnen. Doch nun auf, das Böse schreitet mit schnellen Schritten voran, und uns bleibt nicht mehr viel Zeit.” Die letzten Worte kaum gesprochen, rezitierte der Seraph auch schon leise in der Sprache des Himmels Worte, die dem Barbaren völlig unbekannt waren. Doch schon mit Beendigung der Litanei, war Wulf klar, was die Worte bewirkten. Ein Portal, goldschimmernd und von wohliger Wärme öffnete sich vor den Beiden. Morgael schritt auf es zu und deutete, dass er Ihm folgen solle. Wulf trat durch den güldnen Schimmer und hinter ihm schloss sich das Portal.

Epilog

Dunkel und kalt ist es in den Gemäuern. Die Wände sind mit Moos bewachsen, und erzeugen einen grünlichen Schimmer, da sie das fahle Licht einer Kerze reflektieren. Im hinteren Teil dieser Gruft, steht ein alter Sekretär, der über und über mit Schriftrollen beladen ist. Hinter diesem sitzt eine Gestalt. Aufgrund der schwarzen Robe, sind kaum mehr als Umrisse zu erkennen. Ausser dem leisen Tropfen von Sickerwasser, durchbricht nur das klickende Geräusch einer Feder, die von Zeitz zu Zeit in ein Tintenfass aus Obsidian getaucht wird, die gespenstische Stille. Plötzlich, Schritte. Die in schwarz gehüllte Gestalt scheint diese entweder nicht gehört zu haben, oder sie kümmern sie nicht. Der Verursacher der Schritte tritt vor den Schreibtisch des Verhüllten. Der Schein schwarzverschlierter, leuchtender Flügel erhellen nur leicht den Raum, ganz so, als verwehre sich der Raum gegen jegliche Illumination. Der Geflügelte kniet nieder und spricht: “Meister, sie bereiten sich vor. Bereits zu dieser Stunde sind ein Handvoll Gruppen auf dem Weg hierher. Ihr müsst…” “Schweigt! Ich muss gar nichts” Die Gestalt hinter dem Berg von Schriftrollen erhebt sich. “Sie werden vernichtet werden, so wie auch das Triumvirat vernichtet wurde. Lasst sie kommen… Sie werden tot sein, bevor sie auch nur in die Nähe dieses Tempels gelangen, dafür werden meine Horden schon sorgen. Geht nun, bereitet alles vor und lasst mich allein!” Schweigend, schreitet der dunkle Engel von dannen. Er vernimmt noch eines, als er sich dem Ausgang nähert. “Wunderbar, alles verläuft genauso wie es geplant war”, gefolgt von einem Lachen, dass den Seraph nur zu einem animierte, seinen Gang zu beschleunigen.

 

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