Beschneidung? Gefällt mir! ….aber

Ich habe schon lange nichts mehr geschrieben, aber es gibt von Zeit zu Zeit einfach Themen, die will ich nicht unkommentiert lassen und bin so frei den geneigten Leser mit meiner, zuweilen ganz speziellen Meinung, auf den Sack zu gehen. Und da wären wir ja auch schon fast beim Thema…. nur ein paar Zentimeter weiter hoch!
Der Bundestag hat sich also grundsätzlich, mehrheitlich entschieden Artikel auf SPON, dass das Beschneiden aus religiösen Gründen entgegen einer medizinischen Notwendigkeit (wie der Vorhautverengung) für zulässig sei, sich also offensichtlich nicht mit dem Recht des Kindes auf Unversehrtheit des Körpers oder durch den Strafbestand der Körperverletzung angreifbar sein darf.
Um eines vorweg zu nehmen. Ich bin ein großer Fan der Beschneidung! Ich bin verdammt froh, dass ich beschnitten bin, ich bin auch fest davon überzeugt, dass es abgesehen von den offensichtlichen hygienischen, vor allem ästhetische und sexuelle Vorteile hat, was mir in dutzenden Gesprächen und Erzählungen mit meinen unzähligen Sexualpartnern immer wieder verdeutlicht wurde. Und wäre ich es nicht, so würde ich es ohne zu zögern nachholen… und das ist der Punkt: ICH würde es nachholen, weil ICH es entscheide. ICH mich für die sehr! schmerzhafte Woche nach der OP entscheide. Ich wurde damals beschnitten, weil es eine medizinische Notwendigkeit war, sie hat meinen Leidensdruck vermindert. Ein 8-Tage altes Baby, oder einen 6-Jahre alten Jungen dieser Qual (ja, die Zeit nach der OP ist das) in den meisten Fällen ohne! Vollnarkose, so dass ein seelischer Leidensdruck hinzukommt, auszusetzen und dies nur mit der Begründung, dass es der Wille eines Gedankenkonstruktes sei, ist schlichtweg inakzeptabel und inhuman.
Als der Roman die Wüstenblume erschien, ging ein Aufruhr durch die Medien und auch durch religiöse Institutionen, was für barbarische Sitten doch bei den “Wilden” in Afrika herrschten. Niemand kam auf die Idee, diese Praxis verteidigen zu wollen, schließlich ist das ja eine Tradition, der nur unzivilisierte Menschen nachgehen. Zivilisierte Gesellschaften, wie das aufgeklärte Abendland, machen so was nicht… worin liegt den nun der Unterschied? Natürlich, die pharaonische Beschneidung ist tatsächlich weit schmerzhafter und sicher “barbarischer” in ihrer Ausführung, als die Zirkumsisation. doch ist das eine Begründung, das eine für akzeptabel zu erachten und das andere als Barbarei abzutun? Wer nimmt sich das Recht heraus zu beurteilen, wie ein Mensch Schmerz empfindet und verarbeitet? Sicher, ein Großteil der zur Beschneidung gezwungenen Männer trugen kein Trauma davon, während vermutlich alle Frauen, die eine pharaonische Beschneidung erlebten, traumatisiert sind. Doch weder Qualität noch Quantität eines Leidens sollten ein Argument für die erzwungene Form eines solchen sein.
Wenn ein Kind nicht verletzt werden will, dann sollte es das Recht haben, darüber entscheiden zu können, dies auch nicht zu werden. Natürlich, wenn eine andere Form des Leidens vorliegt und ein weiteres Leid oder eine Verletzung, nehmen dieses Leid, ist das etwas anderes (ein medizinischer Grund, der zum Wohle des Kindes gereicht ist).

Einem kleinen Jungen, meist lediglich unter lokaler Anästhesie, einen Teil seines Körpers, so unnütz und hässlich der auch aus meiner Sicht sein mag, abzuschneiden, nur weil es vor 3000 bzw 1500 Jahren mal Sinn ergab, und man dazu dann unter dem Vorwand “Gott” hätte es befohlen, einfach ein solches Gebot erließ um es dem einfachen Volk (zu jener Zeit durchaus sinnvoll) zu verkaufen, ist falsch, ist gegen mein Verständnis von Freiheit und der Persönlichkeitsrechte eines jeden Menschen. Religiöse Dogmen, die Freiheits- und Persönlichkeitsrechte von Lebewesen außer Kraft setzen, gehören abgeschafft und schon gar nicht in unsere Verfassung aufgenommen!

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Eine Antwort auf Beschneidung? Gefällt mir! ….aber

  1. Fidleis sagt:

    Sehr schön. Endlich mal jemand, der seine Wünsche nicht auf einweilligunsfähige Jungen projiziert. Kompliment für die dargelegte intellektuelle Integrität.

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